10 Regeln für Unterstützer_innen von PoCs

Den folgenden Text habe ich auf Anfrage einer befreundeten Person vom Blog The Angry Black Woman ins Deutsche übersetzt. Er richtet sich vor allem an weisse Menschen, die Verbündete und Unterstützer_innen für People of Colour sein wollen, kann aber an vielen Stellen auch auf andere Kontexte ausgedehnt werden. Hier gibt es einen ähnlichen Text (leider nur auf Englisch) von einer weissen Person geschrieben. Der Tenor bleibt allerdings der gleiche.

http://www.online-instagram.com/user/m0rg4nz/270484286Mir lag jedenfalls daran, einen solchen Text auch für Menschen im deutschsprachigen Raum zugänglich zu machen. Weil ich selber stetig dazulerne.

  • Untergrabe (Deraile1) eine Diskussion nicht. Auch wenn es Dir persönlich Unbehagen bereitet, das Thema X zu diskutieren…es geht nicht um Dein Wohlbefinden. Es geht um das Thema X und Du hast stets die Wahl, Dich nicht daran zu beteiligen anstatt zu versuchen, andere daran zu hindern, ihre Unterhaltung fortzuführen.
  • Bitte lies Weblinks oder Bücher, die in Diskussionen genannt werden. Nochmal, auch wenn die Dinge, die gesagt werden, Dir unangenehm sind, ein Teil davon, ein_e gute_r Unterstützer_in zu sein, ist es, nicht mitten in einer Diskussion oder einem Vortrag eine komplette Einführung in das Thema zu verlangen. Versuche, diese Aufgabe selbst zu stemmen.*
  • Erwarte nicht, dass Deine Gefühle in einer Diskussion über das Thema X Priorität haben. Oftmals bringen Menschen das Argument ein, dass ihnen der Tonfall, in dem eine Diskussion geführt wird, nicht gefällt und sie sich dadurch verletzt oder unter Druck gesetzt fühlen. Wenn Du einer Person auf den Fuß trittst und sie_er sagt, dass Du das lassen sollst, erwartest Du ja auch nicht, dass er_sie das in einem gelassenen Tonfall tut, oder?
  • Sag einfach mal nichts und hör zu. Ich kann gar nicht oft genug unterstreichen, wie wichtig es ist, dass den Leuten, die Erfahrung X tatsächlich machen, einfach zugehört wird. Es gibt nichts unausstehlicheres (wie gut gemeint auch immer) als eine Person, die in einen Raum von marginalisierten Menschen kommt und darauf besteht, er_sie habe die absolut beste Lösung, auch wenn sie_er selbst Erfahrung X noch nie gemacht hat (und wahrscheinlich auch nie machen wird). Du kannst sicherlich Vorschläge machen, aber sei nicht überrascht, wenn sie nicht unbedingt gut aufgenommen werden – weil Du das Problem wahrscheinlich vom falschen Ende her angehst.
  • Spiel nicht Unterdrückungs-Olympiade (Oppression Olympics2). Wirklich, mitten in einer Unterhaltung über Rassismus? Dann ist ganz bestimmt nicht der Zeitpunkt, um darüber zu sprechen, wie sehr Du als weisse Frau unter Sexismus leidest. In einem Lebensbereich Unterdrückung zu erfahren, heisst nicht, dass Du nicht Privilegien in einem anderen Bereich hast. Begriffe wie ‘Intersektionalität’3 und ‘Kyriachie’4 (Privilegiengestützes Machtsystem) existieren aus einem Grund. Und: das untergräbt das eigentliche Thema (siehe 1.). Lass es einfach.
  • Überprüfe Deine Privilegien. Es ist hart und oft unangenehm, aber es ist wirklich nötig. Und Du wirst Dinge falsch machen. Weil niemand perfekt ist. Aber ein Teil davon, ein_e gute Unterstützer_in zu sein, ist es willens zu sein anzuerkennen, dass Du auch mal was falsch machen kannst.
  • Erwarte keinen ungehinderten Zugang zu geschützten Räumen, nur weil Du Dich selbst als Unterstützer_in verstehst. Du hast keinen Anspruch auf Zugang, nur weil Du kein Arschloch bist. Manchmal geht es einfach nicht um Dich oder darum, was Du denkst, was getan werden sollte. Deine Privilegien sind nicht ungültig geworden, weil Du als Unterstützer_in auftrittst. Manche Themen sollten innerhalb der betroffenen Gruppen besprochen werden können, ohne durch die Perspektive einer privilegierten Person untergraben zu werden.
  • Sei willens, Rassist_innen und Stammtischparolen die Stirn zu bieten. Selbst wenn Du nur einer_m Freund_in sagst, dass das, was er_sie gerade über die marginalisierte Gruppe X gesagt hat, völlig inakzeptabel ist: Du leistet tatsächlich schon Arbeit als Unterstützer_in.
  • Behandele Menschen nicht als Accessoires oder “Sammelpunkte”. Im Ernst: für das Ansammeln eines ‘diversen’ Freund_innenkreises bekommst Du keinen Coolness-Bonus. Vor allem nicht, wenn Du versuchst, sie als Freikarte zu benutzen, um Dich wie ein Arsch zu verhalten.
  • Gib nicht auf. Mit Fanatiker_innen und Rassist_innen zu diskutieren ist kein kurzer Streit, es ist ein langer Kampf und dieser dauert schon über Generationen an. Behalte realistische Ziele im Auge, Deinen Kampfgeist (mach auch mal Pause, um emotionale, finanzielle und körperliche Reserven aufzutanken) und Dein Herz am rechten Fleck. Irgendwann schaffen wir es!

Fussnoten/Footnotes:

4Kyriarchie ist eine Wortschöpfung, geprägt von Elisabeth Schüssler Fiorenza, um miteinander verbundene, interagierende, multiplikative Systeme von Herrschaft und Unterwerfung zu beschreiben, in denen dieselbe Person in einem Kontext unterdrückt und in einem anderen Kontext privilegiert sein kann.

* An dieser Stelle finde ich es wichtig zu betonen, dass manchen Menschen dies nicht so leicht fällt (Dyslexie, Alexie, Aufmerksamkeitsschwierigkeiten). Hier sei geraten, dass die Art und Weise zu fragen und der Moment entscheidend sein können. Vielleicht ist es auch hilfreich, eine anderen Person zu fragen, die eventuell helfen könnte, anstatt die direkt betroffenen Menschen. Wichtig ist immer: bleibe respektvoll und akzetptiere, wenn eine Person nicht mit Dir darüber sprechen will.

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